Koordinationsstörungen bei Kindern und deren mögliche Ursachen

 

Bewegung und Sprache

(Meine Übersetzung aus „natural parent magazin“ ; Sally Goddard Blythe1999)

Koordinationsstörungen stehen in Verbindung mit einer Störung  der Wahrnehmung des eigenen Körpers im Raum. Bewegung ist für das Kind die erste „Sprache“, die es lernt. Durch Bewegung entdeckt es die Welt, sammelt so Informationen über den eigenen Körper im Raum und lernt zudem das Bewusstsein für den eignen Körper zu entwickeln (Körperschema). Augen und Körper werden im Verlauf der Entwicklung immer besser koordiniert bewegt. Noch bevor sich die Sprache entwickelt, kann sich das Kind durch Haltung, Mimik und Gestik bereits äußern, um den Eltern so Bedürfnisse mitzuteilen. Die Körpersprache bleibt uns ein Leben lang erhalten und findet oft unbewusst statt. Eine der schwierigsten „Bewegungen“ überhaupt ist die Fähigkeit, komplett still zu stehen, dieses erfordert eine gut koordinierte Zusammenarbeit vieler Muskeln in Verbindung mit unserem Gleichgewichtsystem. Kinder, die kurz vor der Einschulung sind und nicht in der Lage sind still zu sitzen, zeigen uns damit, dass sie nicht genügend Kontrolle und Bewusstsein für ihren Körper haben. Das Fokussieren und die Konzentration können durch die unzureichende Wahrnehmung gestört sein. 

Bewegung und Sprache sind bereits in der frühen Phase der Sprachentwicklung gekoppelt. Fordert man einen 2,5 jähriges Kind auf, dass Wort „Hand“ zu sagen, so wird es höchstwahrscheinlich beim Sagen des Wortes die Hand mitbewegen. Nur wenn ein Kind automatisierte Bewegungsabläufe entwickelt, kann sich Sprache als eine eigenständige Fähigkeit entwickeln.

Warum sind diese Dinge so wichtige für das Lernen in der Schule?

Für gewöhnlich wurde immer gedacht, dass frühkindliche Reflexe in ihrer primitiven Form nicht unter normalen Kinder bestehen bleiben können. Eine wachsende Anzahl von Wissenschaftlern (Rider 1973, Bender 1976, Wilkinson 1994) behauptet, dass Reste frühkindlicher Bewegungsmuster bei normalen Schulkindern bestehen bleiben und deren weitere Entwicklung von der Basis an stören können.

Ein unzureichendes Repertoire an Bewegungsmustern limitiert die expressive Kommunikationsfähigkeit eines Kindes.

Kinder mit motorischen Störungen können ihr Verhalten schlecht der jeweiligen Umgebung und Situation anpassen und besitzen eine geringere Auswahl an angemessenen Reaktionen. Fehlende automatisierte Bewegungsabläufe erschweren kognitive Prozesse. Es kann dadurch sein, dass ein Kind weiß, was es sagen will, aber die motorischen Fähigkeiten nicht mit einer Idee kombinieren kann, wie z.B. beim Schreiben eines Aufsatzes.

Bewegung ist die Voraussetzung für die Entwicklung der räumlichen Wahrnehmung und die Ausrichtung unserer Balance. Unser Gleichgewichtsorgan ist mit unseren Augenmuskeln über einen Kreislauf  ( vestibulookulärer Reflexes  kurz VOR) verbunden. Kinder mit schlechtem Gleichgewicht zeigen häufig Beeinträchtigungen der Augenfolgebewegungen (Okulomotorik) , dieses wirkt sich auf das Lesen und das Einhalten von Reihen beim Schreiben aus.

Im Alltag erfahren unsere Kinder immer weniger Bewegung. Schon von Geburt an werden Babys zu häufig im Babysafe gelassen, auch wenn sie wach sind. In den Wachphasen gehört das Baby auf eine Spieldecke, so dass es am Boden liegend erste Bewegungserfahrungen sammeln kann. Das Krabbeln ist ein immens wichtiger Schritt im motorischen Lernen. Beim Krabbeln lernt das Kind verschiedene Sinneserfahrungen wie. z.B. Balance, Tiefenwahrnehmung und visuelle Informationen erstmals miteinander zu verbinden. Die Hand – Auge Koordination im Vierfüßlerstand entspricht etwa dem gleichen Abstand wie beim Lesen und Schreiben am Tisch.

 

Zwei- bis dreijährige Kinder verbringen eine Menge Zeit damit verbringen, zu klettern, zu springen , zu rollen sie werfen sich gerne zu Boden und üben so das „Fallen“. Diese Aktivitäten bereiten den Körper auf die Entwicklung unserer feinmotorischen Fähigkeiten vor.

Stunden lang vor dem Fernseher zu sitzen bedeutet passives Lernen, es werden keine neuen Fähigkeiten in unser System integriert. Kinder unter 7 Jahren lernen am besten, wenn sie physische und emotionale Eindrücke mit Materialien verknüpfen.

Kinder benötigen genau so viel zeit zum Bewegen, wie Zeit zum Still sitzen. Nicht alle auftretenden Schulschwierigkeiten stehen in Verbindung mit dem Kopf sondern auch mit dem Körper. 

 

Der INPP Fragebogen

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